Wo wir so im faulen Thermalbad lagen, bot unser Führer James uns an, am nächsten Tag gemeinsam mit ihm in sein Dorf in den Bergen, in dem er aufgewachsen ist, zu fahren. Die Menschen dort nennen sich selbst "Karen", ein Bergvolk welches zwischen Thailand und Myanmar in den Bergen lebt und seine eigene Sprache "Karen" spricht. Je nach Land zudem noch Thai oder Burmese als Zweitsprache. Dafür sollte man sich nur ein Motorroller ausleihen und ihm die Leihgebühr für einen bezahlen. Uns würde "easy walking" in den angrenzenden Bergen erwarten.
Abends saßen wir noch mit ihm und den zwei "Czech Guys" unserer Tagestour in einer Thai Bar, mit live Musik und genossen selbstgebrannten Thai-Schnaps (Reisschnaps 20%), sowie selbstgebrauten Czech-Schnaps (52%) aus einer PET-Wasserflasche mit der Aufschrift "Dobra Voda" (gutes Wasser). Viele Thais sind hier irgendwie sehr starke Trinker, ganz anders als erwartet.
Da James nur uns für die Tour in sein Dorf begeistern konnte, trafen wir uns morgens um 9 in unserem Hostel. Mit zwei Motorrollern brachen wir gen Süden auf. Zunächst ging es über Landstraßen, dann nahmen wir einen Abzweig auf einen Bergpass. Die Straße führte durch dichten Wald und bald hatten wir den Gipfel des ersten Berges erreicht. Hier legten wir und unser armer Motorroller eine kleine Pause ein.


An diesem Ort endete auch die geteerte Straße und wurde von einer Erdpiste abgelöst. Der Bodenbelag wechselte zwischen Geröll aus faustgroßen Steinen, zu kleinen Kieseln und abschließend eine solide Erdpiste, alles gemischt mit einer guten Prise an Schlaglöchern. Zu unserer Rechten lag stets ein Abhang, an dessen Ende kleine Bäume zu erkennen waren. An einer Stelle war sogar die ganze Straße im Umbau und so mussten wir über einen gut 1/2 Meter breiten Streifen balancieren, wobei zu unseren Seiten Abhänge lagen. Dennoch fuhr James sehr angenehm langsam, so verlief die Fahrt überraschend entspannt.
Hier das Bild eines Straßenabschnitts in ernsthaft gutem Zustand:
Nach gut 2 Stunden Fahrt (55 km) erreichten wir das kleine Dorf in den Bergen. James zeigte auf den mittleren Berg und erklärte: "we go to the mountain".
Doch zunächst speisten wir eine vorzügliche Suppe im Restaurant des Dorfes, welches von James älterer Schwester betrieben wird.
Dann begannen wir unsere Wanderung, begleitet von einer Schülergruppe aus gut 15 Jungen der ortsansässigen Schule, im Alter von ca 8-14. Geführt wurden wir von einem ca 17 Jährigen, laut James ein professional. So wanderten wir alle durch einen schönen Wald, mit einem Bach und einem kleinen Wasserfall.




Doch schon noch wenigen Minuten begann der Weg steil anzusteigen und änderte seine Neigung nichtmehr. Schnellen Schrittes rasten die Schüler vorran, gefolgt von uns langsamen, die Berge nicht gewohnten, verschwitzen Farangs (Ausländern). Bald legten wir eine kurze Trinkpause ein und konnten zu unserer Entspannung feststellen, dass die Schüler auch alle gut am Schwitzen waren. Dann ging es weiter den steilen Berg hinauf, besonders angenehm für Jim waren die Spinnennetze die er ins Gesicht bekam, da sie einfach nicht auf Kopfhöhe der Thais lagen. Dennoch war die Wanderung bis hierher sehr schön und der Wald hatte viel zu bieten, leider konnten wir aufgrund des Tempos nicht so viel davon mitnehmen.
Schon bald erreichten wir die erste kleine Probe, ein Steinspalt, etwa 3 Meter tief und 1m Breit, der über einen umgekippten Ast überklettert werden musste. Eigentlich ganz spaßig, abenteuerlich.
Danach mussten wir eine recht steile Klippe hinaufklettern. Zuerst erkundigten wir uns ob der Weg danach wieder normal würde, oder ob es so weiter ginge. James versicherte uns "it's easy". Also wagten wir uns die Klippe hinaufzusteigen. Oben angekommen folgte eine zweite Klippe, wobei oben Büsche und Bäume in Aussicht waren. James erklärte uns, es seinen nurnoch zehn Meter, "it's easy, you can do it". So kletterten wir auch verunsichert diese, fast senkrechte, Klippe hinauf, mit Hoffnung das der Spuk bald ein Ende habe. Zurück ging es ab diesem Punkt eigentlich nichtmehr wirklich, da der Abstieg beim Klettern immer dreimal so schwer ist. Wir konnten ja nicht ahnen dass "noch zehn Meter" noch zehn Meter senkrecht nach oben bedeuten!
Sorry das hier Fotos fehlen, wir waren eher mit am Leben bleiben beschäftigt. Dennoch ist hier rechts im Bild ganz gut zu erkennen, was wir so hochklettern mussten:

Nach dieser Klippe erwartete uns eine weitere Klippe, nur diesmal ging es etwa drei Meter steil den Berg hinauf, wobei nach unten hin gut 20 Meter steinernde Steilwand lagen. Der Aufstieg war auch dieses mal wieder quasi senkrecht nach oben. Ein Zurück gab es an dieser Stelle nun wirklich nichtmehr, zum Glück erklärte James uns das wir für den Abstieg einen anderen Weg nehmen würden. Wir konnten ihm aber nach seiner ganzen Lügerei nichtmehr wirklich glauben schenken. So machten wir uns zermürbt und mit Todesangst an den Aufstieg. Beruhigenderweise konnten einem hier und da mal, die 10 Jährigen Kinder eine Hand reichen. Nicht so wirklich beruhigend, wenn man bedenkt dass das Leben an der Stärke eines Kindes hängt. Vicky war mittlerweile heulend, mit den Nerven am Ende, riss sich aber nochmal zusammen und wurde von James und unserem Führer tatkräftig beim Aufstieg unterstützt.

Die Thais, besonders die jüngeren Kinder lachten alle herzhaft und kletterten Barfuß, wagemutig und flink den Felsen nach oben. Dazu muss man sagen, dass Thais immer lachen um einem die Situation zu verschönern, nur für uns wirkt das manchmal doch sehr dreist, besonders wenn man über 20 Metern Steinboden hängt. Die konnten sich auchnicht vorstellen was sie einem paar armer Münsteraner mit diesem Berg zumuten.
Nach elender Kletterei oben angekommen konnten wir die Aussicht nichtmehr so ganz genießen, da wir immernoch besorgt waren ob wir es hier überhaupt wieder hinunter schaffen werden. James lachte und wollte sich mit uns vertrösten, wir waren aber sehr böse und wollten nurnoch hinunter.
Beim Abstieg mussten wir noch ein bisschen klettern, hier und da war es nochmal gefährlich aber im Vergleich zum todesmutigen Aufstieg war es doch ok. Der Rückweg führt durch dickes Geäst und musste erstmal freigeschlagen werden. Nachdem wir zweimal an einer Steilklippe gelandet waren, weil wir uns verlaufen hatten, fanden wir den Weg hinab und waren wieder im tiefer gelegenen Wald angekommen. Hier ging es wieder steilen Schrittes nach unten, mehr im Rutschen als im Gehen. Schon bald hatten wir wieder den kleinen Bach erreicht, der uns zum Dorf zurückführte.
Statistik: 367 Meter Höhenunterschied, in 3 Stunden nur 3,5 km gelaufen. Hier nochmal der Berg (rechts):
Im Dorf angekommen entschuldige sich James direkt ganz doll bei uns und wir konnten ihm nochmal verzeihen. Es war schon sehr dreist das James vom Klettern nichts erwähnt hatte, "easy walking" hieß es immer. Er hatte es ja nur gut gemeint, uns auf den rituellen Berg seines Dorfes zu führen, welcher einmal im Jahr zu einer Feier (für Buddha) von vielen bestiegen wird. Für Angehörige eines Bergvolkes, die als Kinder diesen Berg schon X-mal besteigen mag das ja einfach sein, wir würden sowas allerdings nie wieder tun.
Nach der Versöhnung brachte James uns noch zu seinem Vater, der neben Bierflaschen in seiner Hütte schlief. Ein ausgeflipter alter Vogel. Er war sehr herzlich zu uns und bot uns direkt an in seiner Hütte zu übernachten.
Hier im Dorf ist er der ansässige Korbflechter. Er bot uns nach der Hausbesichtigung eine im Dorf übliche Entspannungssubstanz an. Getrocknete Nüsse mit bestimmten Blättern, die nach kurzem Kauen ausgespuckt werden. Wenn man zu viel davon einnimmt sollen sie zudem als Droge wirken. Reichlich bitter, gemischt mit etwas Limonengeschmack.
Bei der Hausbesichtigung gab es auch das Hausschwein zu sehen, dass allerdings zum Verkauf gezüchtet wird. Da es "dirty" ist, darf es nicht aus seinem Haus raus, es scheint aber doch sehr clever zu sein und an der Tür zu arbeiten.
Hier noch ein Bild der Haushühner, hier im Dorf wird das so geregelt dass man einen Korb unter seinem Haus hat und das Huhn was dort wohnt gehört einem. Die Küken lernen das auch und kommen immer wieder Heim. Die Eier werden auch brav in den eigenen Korb gelegt.
Wir schlenderten noch ein bisschen durch das Dorf, besuchten eine Männerrunde, wobei einer der gewählte Vorsteher des hiesigen Bezirks ist, aßen süße reife Kaffeebohnen und machten noch ein Foto mit James, seinem Vater und unserem Führer.
Dann machten wir uns aber auch langsam wieder auf die Heimfahrt, unser Bett lockte uns schon sehr. Die Rückfahrt wirkte angemehn wenig todesmutig, nach allem was wir heute erlebt hatten.
Und hier der Track unserer Rückfahrt nach Mae Sariang: