Freitag, 6. Dezember 2013

Loi Kratong, das Lichterfest, Chiang Mai (15. - 19.11.2013)

Wieder einmal brachte uns ein rasender Minivan von Pai über die Berge, um nun zum dritten Mal in Folge den Busbahnhof von Chiang Mai, der 2. größten Stadt Thailands, zu erreichen. Von hier ging es mit dem Song-teauw (Thai taxis mit 2 großen Bänken) zum Bahnhof, da wir uns ein Ticket für den Schlafzug nach Bangkok kaufen wollten. Dort angekommen konnten wir feststellen, dass die Gleise bis Januar kaputt sind. Also fuhren wir wieder zurück zum Busbahnhof und kauften uns ein Ticket für den Nachtbus.

Nach diesem hin und her wollten wir unser Hostel ausfindig machen um uns ein wenig auszuruhen. Ein Song-teauw brachte uns zum Tapek-Gate, einem der Eingangstore in die Altstadt, von wo aus unser Hostel per Fußweg zu erreichen war. Wir marschierten also mit dem Gepäck in Richtung Hostel. Am von Google-Maps angezeigten Ort fanden wir schnell die Straße, in welcher laut Booking.com unser Hostel liegen sollte. Einmal liefen wir die Straße auf und ab, dann noch ein zweites Mal. Als wir das Hostel anriefen, meldete sich nur "this number is temporary out of order". Eine Hilfbereite Thai, die auch ein Hostel in der Straße betrieb, kannte den Namen des Hostels auch nicht, bot uns aber an ihr Telefon zu benutzen. Dies lieferte das selbe Ergebnis. In Folge irrten wir weiter in den Seitenstraßen umher und erkundigten uns weiter, doch niemand kannte das Hostel. Wir probierten es erneut an genau dem von Google-Maps angezeigten Ort und fanden auch ein Gelände das dem Bild bei Booking.com ähnlich sah, nur statt dem Hostel auf dem Bild lag an der Stelle nur ein Haufen alter Holzbretter.

Nach drei Stunden schließlich sahen wir ein, dass das Hostel wohl nicht (mehr?) existiert, hat sich ja gelohnt 3 Wochen vorher vorzubuchen. Schon damals waren bei Booking.com 90% aller Hostels in Chiang Mai ausgebucht, zum Lichterfest ist dort die Hölle los. Das bestätigte sich auch schnell, da die 10 Hostels die wir abliefen und fragten alle voll waren. Über Booking konnten wir noch ein Hostel (Lanna Guesthouse) finden, in dem ein Einzelzimmer frei war. Wir buchten dieses sofort und machten uns auf den Weg dorthin. Es war ein ganz schöner Marsch, etwa eine Stunde mit Gepäck durch Chiang Mai. Müde und ausgelaugt erreichten wir das Hostel und zu unserer Erleichterung bekamen wir sogar ein Doppelzimmer. Am nächsten Morgen mussten wir aber umziehen, wohl in das schäbbigste Zimmer dieser Unterkunft. Ein Einzelzimmer, ohne Fenster, genau zur Mittagssonne ausgerichtet und somit brütend Heiss. Das Badezimmer, sogar ein Privates, lag nicht im Zimmer sondern am Ende eines Flurs und die Hocktoilette wurde stets von Mücken beschlagnahmt. Naja, immerhin bekamen wir ein total klemmendes Schloss um das Bad zu verriegeln. Für einen günstigen Preis von 400 Baht ist das ja alles richtig super (sauteuer). Insgesamt war es aber trotzdem erleichternd noch ein Zimmer über das Festival gefunden zu haben. Unsere Beschwerde an Booking.com stehts übrigens noch aus.

In die Lage des Hostels hatten wir uns aber direkt am ersten Abend verliebt, als wir hungrig auf die Straße gingen und direkt neben dem Hostel ein vegetarisches Restaurant entdeckten. Fetter Teller für 25 Baht (60 Cent), oder?


Ein Berg Reis kostet 15 Baht, jede große Kelle Beilage dazu 5 Baht extra. Jeden Morgen und Abend wurde von jedem von uns dort ein Teller verschlungen. Es gab auch jeden Tag ein paar andere Gerichte, insgesamt gab es immer etwa 10 Beilagen zur Auswahl. Kürbis, Tofu, allerlei Gemüse und der beste Seitan den wir bisher hatten.

Am ersten Tag begaben wir uns zur Universität. Eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst von wechselnden, asiatischer Künstlern, von bekannt bis zu Studenten. Den Weg dorthin meisterten wir, indem wir uns auf klapprigen Fahrrädern in den Mörderverkehr von Chiang Mai stürzten. An der Uni angelangt bemerkten wir einen Menschenauflauf, es fand ein Fest statt. Die Ausstellung konnten wir durch eine Scheibe sehen, aber die Kunstwerke wurden von einer Art Juroren begutachtet und war daher geschlossen. Nunja, die Bilder sahen aber immerhin interessant aus und die Fahrt war auch nicht allzu weit gewesen, damit beschlossen wir die Ausstellung am nächsten Tag erneut aufzusuchen. Anschließend spazierten wir noch über einen Markt in der Nähe der Uni, der sehr günstig war, da dort eigentlich nur Thais einkaufen.


Hier ein Teil unserer Beute:



Am Abend besuchten wir noch den Samstags-Nachtmarkt. Dieser wurde direkt nach unser Ankunft von einem schrecklichen Regen heimgesucht, hier ein Bild von schiessendem Wasser:


Als der Regen nachlies begannen wir den Markt zu erkunden. Allerlei crazy Zeug, aber auch ein paar nette Sachen.



Dazu auch Kürbis-Fritten im Bananenblatt:


Später fuhren wir dann mit dem Fahrrad zu einer Brücke über den großen Fluss in Chiang Mai. Einen Kilometer vorher war bereits alles abgesperrt und das Fahrrad musste auch dort warten. Hier bekamen wir bereits einen Vorgeschmack auf den Wahnsinn von Loi Kratong. Der Himmel ist von fliegenden Lichtern erfüllt, die langsam davon gleiten. Ein echt wunderschöner Anblick.





Das ganze gibts aber nur im Paket mit abstürzenden Laternen, Querschlägern die brennend auf Leute zurasen, Laternen mit extra Sprühfeuerwerk die sich in Bäumen verhaken und auf die Menschen feuern und abschließend natürlich noch mit Feuerwerk, quer daher rasenden Heulern und zu guter Letzt ein paar chinese-oversized Firecrackers (Dynamit?).



Kerzenboote gab es auch auf dem Fluss. Hier eine Schwanenversion:


Schlafenszeit in unserem Hostel:


Am nächsten Morgen ging es dann wieder mit dem Klapperrad zur Uni. Wirklich eine coole Ausstellung und auch Eintritt gegen freiwillige Spende. Leider hatten wir passend unsere Kamera vergessen, daher gibts ab hier nur doofe Smartphone Fotos:







Nach der Ausstellung ging es wieder auf den benachbarten Markt, da unser Vorrat an Leckerreien noch nicht ausreichend war.

Gegen Abend begann dann direkt vor unserem Hostel der große Sonntags-Nachtmarkt von Chiang Mai. Eigentlich wie der erste Markt, nur viel größer, zweispurig und für uns gabs diesmal unsere ersten, frischen Mochis:



Unser Hostel hatte uns, um den Auftakt von Loi Kratong zu feiern, auf das Dach eingeladen. Die Einladung war für 19 Uhr, wir kamen aber erst um 20 Uhr zurück vom Markt und da war der Spaß bereits vorbei. Wir konnten aber trotzdem noch auf das Dach des Hostels steigen und von dort die Laternen bewundern.


Abends fuhren wir wieder zur Brücke, die aber diesmal noch mehr überfüllt war.


Wunderlicherweise fuhren noch Autos und besonders mehrere leere VIP-Doppeldeckerbusse über die Brücke und verunsachten noch mehr Chaos. Das ein oder andere gemütliche Plätzchen konnten wir aber an diesem Abend noch finden. Als es dann spät wurde, sind wir zurück gefahren und haben noch eine Laterne fahren lassen. Diese entzündeten wir, ließen sie etwas aufheizen und als wir sie starten ließen, schlug sie quer und raste mit ihrer Flamme auf die benachbarten Leute zu. Die Thais fanden das sehr witzig und konnten sie noch aufhalten. Tatbereit standen sie uns bei unseren nächsten Starts derselben Laterne zur Seite, wobei sie nach zwei Versuchen endlich ihren Weg gen Himmel fand. Wir schauten noch der Laterne hinterher als wir einen Schrei hörten und sahen, wie eine ältere Frau von einem Moped auf der Straße neben uns gerammt wurde und sich ein paarmal überschlug. Thai-style gab der Mopedfahrer einfach Gas und war verschwunden. Der Frau wurde schnell aufgeholfen und so konnte sie dem heranrasenden Verkehr gerade noch entgehen. Ihr war zum Glück nichts sichtbares passiert, aber sie stand ganzschön unter Schock. Nach diesem Tiefpunkt begaben wir uns mit mulmigem Gefühl erneut auf unseren Fahrrädern in den Verkehr um nachhause zu fahren.


In Reiseführern und im Internet konnten wir nicht darüber hinwegsehen, dass in der Nähe von Chiang Mai eine Stadt liegt (Bohr Sang), die als die Seidenstadt des Nordens gilt. Auf dem Motorroller ging es 30 km die Landstraße entlang um diese Stadt zu finden. Nach langer Fahrt erreichten wir diese und begaben uns daran die Geschäfte abzuklappern. Ausser Papierschirmen, ein paar coolen Drachen und Elvis gab es hier nicht viel. Nur eine Straße, an der jedes Geschäft das gleiche Sortiment hatte.



Zu unserem Glück lief uns ein Paar über den Weg, dass auch zur Seidenstadt wollte und uns aufklärte, dass wir uns mit der Stadt vertan hatten. Die Seidenstadt (Kamphaeng) lag in dieser Richtung, aber noch ein paar Kilometer weiter. Frohen Mutes schafften wir auchnoch diese Hürde und erreichten einen Markt in der Seidenstadt, der nach Verwesung roch. Geschäfte die 0-8-15 Kleidung verkauften, säumten hier die Straßen. Nach viel Fragerei gelang es uns aber das Seidenlager einer ansässigen Seidenfabrik zu finden. Die Fabrik war leider schon zu, aber wir konnten hier noch ein bisschen stöbern.



Eine ältere Frau die dort saß konnte uns den Produktionsweg ihrer Seide erläutern. Die Seide kommt (angeblich) aus dem Norden Thailands, wird dann dort versponnen und gewebt, dann noch Bangkok geschickt und dort bedruckt und anschließend wieder zurück geschickt. Eifrige japanische Raupen laben sich auf den thailändischen Seidenplantagen, bis sie mit ihrem Kokon in heissen Wasser ausgekocht werden, damit der Seidenfaden des Kokos beim Schlüpfen nicht beschädigt wird. Obwohl das Alles nicht ganz so nett für die Raupe ist, hat Vicky dennoch drei Meter Seide erworben.


Big C lag dann noch auf dem Rückweg, ein riesen Supermarkt den wir schon immer mal in Thailand besuchen wollten. Dort gab es aber irgendwie nicht mehr Auswahl als bei 7-11, da jedes Produkt ein ganzes Regal einnahm. Über die Autobahn verfuhren wir dann zurück. Schon nicht so genehm, nachts in Thailand mit dem Roller über die Autobahnen.

Einen Tag hatten wir noch in Chiang Mai. Am Vormittag erkundeten wir unseren ersten Tempel in Chiang Mai, echt hübsch und die Elefanten kriegen auch ihr Zuckerrohr.







Bevor wir unseren Nachtbus nach Bangkok bestiegen begaben wir uns noch in die Untiefen des hiesigen Kuriositätenkabinetts, "Museum of Natural Wonders". Ein echt verrücktes Museum, mit reichlich bunten Kriechgetier. Dieses wurde in Schaukästen präsentiert, die die Wände zupflasterten. Wo mal etwas Platz war hang ein verrücktes Bild, oder ein cool aussehender Stock. Zudem machte der Besitzer, aka Moskito-Man, mit reichlich Plakaten stets darauf aufmerksam wie heilig der Moskito doch wäre und was für einen Nutzen er für uns hat. War ganz interessant, aber auch nicht so ernstzunehmen, da besonders die Texte doch sehr esotherisch wirkten. Trotzdem ein witziges Erlebnis und reichlich faszinierende Tiere.






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